Was bisher geschah

Alles und nichts ist geschehen. Insgesamt viel zu wenig, wenn man bedenkt, dass es jetzt bald drei Jahre sind. Und das Ergebnis? Das Weinglas neben mir spricht für sich.
Zuerst ist nichts passiert, gab ja auch keine Grund, was zu tun. Ist ja normal, dass es nicht gleich klappt. Oder – halt. Wenn man sich im Freundeskreis umschaut, ist es eigentlich schon normal. Da fällt man die Entscheidung und der Plan wird umgesetzt, innerhalb weniger Monate. Zumindest bei den meisten.
Unsere persönliche Deadline wurde erreicht, die Hochzeit stand ja auch bevor und da sollte das Kleid ja gut passen und kurz vor oder nach der Entbindung ist ja auch ein schlechter Zeitpunkt für das Ja-Wort. Blabla. Über was man sich halt so Gedanken macht, wenn man denkt, dass das Einfachste auf der Welt auch einfach sein wird…
Kurz vor der Hochzeit gaben wir uns wieder grünes Licht. Das ist jetzt auch schon wieder eine Ewigkeit her.

Seitdem haben uns unzählig viele Smileys angelacht, blinkend, stillstehend. Und noch viel mehr Tests. Persil und Co. hätten nicht besser für ihr Weiß werben können.
Dann wurde das Thermometer ausgepackt, akribisch gemessen, was man so messen konnte. Temperaturen ausgewertet. Hochlagen genutzt. Gewartet. Und dann war da noch mehr Weiß.
Jeder Monat hat uns ein Stück Hoffnung genommen. Ein Stück Zuversicht. Den naiven Glauben, dass alles gut wird. Weil das alles doch ein Kinderspiel ist. Jeder wird schwanger. Manche wissen es gar nicht, andere wollen es gar nicht.

„Du denkst zu viel dran!“, haben sie gesagt. „Du willst es zu sehr.“, war der scheinbar offensichtliche Grund für andere. „Entspannt euch, dann klappt das schon.“ Diese scheinbar lieb gemeinten Äußerungen, die genau das Gegenteil bewirken. Scheinbar bin ich Schuld, weil ich es zu sehr will.

Heute kann ich sagen: Nein! Ich bin nicht mehr entspannt. Nach all dem, was passiert ist – oder eben nicht passiert ist -, bin ich einfach nicht mehr locker! Ich kann es weder abschalten noch aufhören, daran zu denken, noch aufhören, mich zu quälen.

Schließlich waren wir doch auch entspannt am Anfang! Wir haben doch wie alle gedacht, das wird schon. Wir waren nicht gestresst, sondern warteten die ersten Monate ab, was passiert – ganz gechillt. Genützt hat’s trotzdem nichts.

Nach einem ganzen Jahr weiß haben wir endlich einen Termin beim Urologen bekommen. Meine Frauenärztin war zum Glück viel früher viel verständnisvoller. Das Ergebnis war niederschmetternd. Heute weiß ich, dass es noch viel schlimmer geht, aber in dem Moment war da einfach nichts. Nur leer.

Wir sind doch jung. Wir sind doch normal. Wieso wir? Müssen wir jetzt wirklich einen Termin in der Kinderwunschklinik machen? Als offensichtliches Eingeständnis, dass wir nicht in der Lage sind, allein ein Kind zu machen?

Das so hinzunehmen und zu akzeptieren, dass unser Weg eben dieser Weg sein wird, hat eine Weile gedauert. Zumindest mit dieser Tatsache hab ich meinen Frieden machen können.
Vor allem auch deswegen, wenn man sich bewusst macht, dass wir nicht die einzigen sind, die diesen Umweg gehen müssen. Dass da auch nur ganz normale Leute im Wartezimmer sitzen und keine Freaks. Dass es nun einmal einfach so ist.

Was da so ist oder nicht, wurde dann erst mal abgecheckt. Zykluskontrolle (gut), Eisprung (gut), Gelbkörper (naja, aber dank Progestan kein Problem), ausreichend bewegliche Spermien – nö. Gähnende Leere zur Rush-Hour in der Gebärmutter. „Problem erkannt, Problem gelöst“ könnte man meinen, aber nein. Weiß blieb weiß.

Schnelldurchlauf: Insemination eins, zwei, drei, vier. Alles weiß. Die dazwischen nicht genutzten Zyklen wegen Urlaub oder nicht abgesprochenem Eigenleben der Eierstöcke setzen noch eins oben drauf.

Klar war: Wir wollen das nicht mehr. Wir wollen keinen weißen Test an Heilig Abend in den Händen halten.

Deswegen warten wir jetzt, bis der Wechsel der Krankenkasse durch ist und dann starten wir die nächste Etappe (und damit auch die letzte?) im neuen Jahr. Hoffentlich ohne weiß.

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