(N)ICSI. Nix.

Als klar war, das wird nur was mit ‘ner ICSI, war mein erster Gedanke: OK, dann läuft das. Da kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen, bei mir ist ja alles top in Ordnung, also: bald schwanger. Der zweite Gedanke war ernüchternd, weil realistisch. Dieselben Gedanken wie vor der ersten Insemination auch. Die persönliche Nicht-Erfolgsquote spricht für sich.
Trotzdem! Da war die positive, zuversichtliche und freudige Erwartungshaltung. Alles lief bestens, fast traumhaft. Stimulation wunderbar und ohne Probleme. Punktiert wurden elf, sieben waren reif, sechs wurden befruchtet. Top Quote, oder? Genauso positiv – und das war der Trugschluss – ging es weiter. Fünf entwickelt bis Tag 3, drei Blastozysten an Tag 5. Jackpot! Alles besser als erwartet. Ein kleiner wurde eingefroren, zwei hab ich mit heim genommen. Und von da an war ich sicher: Das hat geklappt. Jetzt kriegen wir endlich ein Kind! Und noch euphorischer: Vielleicht sogar Zwillinge. Es gab überhaupt keinen Grund in meiner kindlichen naiven Welt zu denken, dass da irgendwas nicht nach Plan laufen würde. Bisher hatte ja alles dieser Behandlung unsere Erwartungen übertroffen.
Die Realität holte mich dann eine Woche später ein. Einfach so, ohne Vorwarnung und ohne Grund. Ein schlechtes Gefühl machte sich breit. Einfach so. Am Wochenende dann das Blöde, das mich trotz allen Beruhigens und Abtuns aller Seiten belastet. Völlig unnötige ruckartige Bewegungen, Ziehen im Bauch, noch mehr schlechtes Gefühl. Auch wenn ich WEIß, dass das nicht daran lag und es nichts geändert hat, es geht nicht aus meinem Kopf. Hätte hätte Fahrradkette.
Am Sonntag dann der Test zu Hause, um dem bereits vielfach erlebten quälenden Telefonat zuvor zu kommen. Ich bin so lange im Bett geblieben, bis ich wirklich mal musste. Zu zweit haben wir auf diesen bescheuerten Test geschaut, der eine gefühlte Ewigkeit vor sich hin blinkte. Dann auf einmal das Ergebnis. Schon von Weitem springt einem das „Nicht“ ins Gesicht. Nicht! Schon wieder NICHT! Kein Wort, nichts. Einfach nur dastehen und festhalten. Nicht. Alles bleibt im Herz stecken. Minuten später kommt die Nachricht im Gehirn an und die ersten Tränen laufen. Schon wieder Nicht. Frust und Schmerz und Verzweiflung und Ungerechtigkeit und Wut und Angst und… unendliche Traurigkeit.
Und dann war alles egal. Erschreckend im Nachhinein, wie alles an Bedeutung verliert. Egal, ob ich jetzt auf bin oder wieder im Bett liege. Ob ich duschen gehe oder nicht. Einfach egal. Man liegt da und wartet, aber worauf eigentlich? Dass es vorbei geht? Besser wird es dadurch auch nicht. Egal, ob man Verabredungen einhält oder nicht. Ob man die Eltern anruft oder nicht. Alles egal.

Am nächsten Tag der Bluttest, heute die Bestätigung, dass nicht.

Wie oft kann man Nicht und Egal eigentlich ertragen?

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